Wandern

Høsttur – Herbstwanderung

arte der Herbstwanderung nach Selsli. Beleuchtung des Reliefs von NW, Zum vergroessern anklicken.

Karte der Herbstwanderung nach Selsli. Beleuchtung des Reliefs von NW. Zum vergroessern anklicken.

Eine Herbstwanderung im norwegischen Fjell ist ein besonderes Erlebnis.  Während in den Tälern das Laub in herbstlichen Farben erstrahlt gibt es in den höheren Lagen bereits die ersten Frostnächte. Einige Sonnentage im Herbst zu einer zünftigen Hüttentour zu nutzen ist deshalb sehr beliebt. Dem norwegischen Touristenverein DNT ist es zu verdanken dass dazu über 600 Wanderhütten im ganzen Land zur Verfügung stehen. Die meisten der Hütten sind unbewirtschaftet. Um sie nutzen zu können benötigt man einen Generalschlüssel, den Mitglieder dauerhaft gegen ein kleines Deputat auf der DNT Geschäftsstelle erhalten. Die Abrechnung der Aufenthalte erfolgt auf Vertrauensbasis, allerdings gibt es gelegentlich Kontrollen. Daneben existieren selbstbediente Hütten und bediente Häuser. In ersteren findet sich ein Essensdepot und in der Hochsaison auch ein Hüttenwart, letztere sind im Prinzip einfache Hostels mit Personal.

Nachdem die Ölpreiskrise auch bei meinem Arbeitgeber tiefe Spuren hinterlassen hat und ich mich seit Oktober unversehens auf Jobsuche befinde beschloss ich die ersten Oktobertage Für eine Wanderung im Fjell zu nutzen. Von Kongsberg aus sollte es über die Selslihütte und den Ort Bolkesjø ins Blefjell gehen, ein Höhenrücken, den ich vom Segelflugzeug aus schon oft aus der Ferne gesehen, jedoch noch nie erreicht habe. Das Blefjell ist ca. 1300 m hoch und dort befinden sich mehrere DNT Hütten, die es erlauben das gesamte Gebiet der Länge nach zu durchwandern.

Leider wurden meine Pläne schon am ersten Tag zunichte gemacht, da das angesagt schöne und sonnige Herbstwetter unversehens durch Sturm und Regen ersetzt wurde. Als ich am Abend nach 21 km die  750m hoch gelegene Selslihütte erreichte war ich klatschnass und fix und fertig, denn der Weg verlief abwechselnd über moosglatten Fels und durch sumpfiges Gelände. Ich beschloß erst mal einen Tag Pause auf der Hütte zu machen und am nächsten Tag einen nahe gelegenen Aussichtspunkt zu ersteigen.

Gesagt getan, der Anblick des noch 20 km entfernten Fjells machte dann allerdings sofort klar daß an eine Besteigung nicht zu denken war. Das, was ich als Regen abbekommen hatte, war im Blefjell als erster Schnee gefallen, und da bereits an der tiefer gelegenen Selslihütte die Temperaturen auch tagsüber bei 0 Grad lagen war es schlicht zu gefährlich, allein und unter der Woche den Aufstieg zu wagen. Um diese Jahreszeit ist es einsam in den Fjellen und im Falle eines Unfalls wäre ich eventuell lange nicht gefunden worden.

Also beschloss ich, die nächsten Tage noch in Selsli zu verbringen und dann am Ende der Woche nach Notodden abzusteigen. In der Tat sollte ich während der gesamten Woche keinem Menschen begegnen, ein Weitergehen in vereistem Gelände wäre also wirklich nicht ganz ungefährlich gewesen.

Das Blefjell habe ich nicht erreicht. Aber ich gebe nicht auf, im nächsten Jahr will ich es wieder versuchen. Vielleicht lieber im September, dann sollte die Gegend noch schneefrei sein. Und auch die Selslihütte habe ich in mein Herz geschlossen. Dort werde ich nächstes Jahr einige schöne Tage mit Silvia verbringen. Hier noch ein paar Bilder von der Wanderung.

Posted by srothe in Notodden, Wandern, 0 comments