Oslo

Icebreaker

Die Winter in Oslo sind auch nicht mehr das was sie mal waren. In den letzten drei Jahren gab es nicht den sonst üblichen kontinuierlichen Dauerfrost mit trockenem Winterwetter, sondern stattdessen einen ständigen Wechsel zwischen Plusgraden mit Regen und (wenigen) Minusgraden mit Schnee.

20150212_09125920150212_091358Dementsprechend ist die gewohnte festgefahrene Schneedecke auf den Strassen (auf der man sehr gut Auto fahren kann) einer wilden Kraterlandschaft aus massivem Eis gewichen, die jegliche Fortbewegung zu einem echten Abenteuer macht. Die Unfallzahlen steigen seitdem sprunghaft an; bis zu 50 Menschen werden pro Tag mit Knochenbrüchen in die hiesigen Krankenhäuser eingeliefert.

Das ist unter anderem der Tatsache geschuldet dass die Stadt kaum Salz verwendet. Strassen mit Gefälle werden mit grobem Split gestreut, hangparallele Strassen dagegen nur geräumt. Funktioniert an sich auch prima, solange die Temperaturen dauerhaft unter dem Gefrierpunkt liegen. Für die derzeitigen „Norddeutschen Verhältnisse“ ist es hingegen keine Lösung. Daher muss die Stadt nun zu radikalen Methoden greifen. 20150211_09115120150211_091159Auf den Strassen sind Baufahrzeuge unterwegs, um  das Eis mit Gewalt aufzubrechen. Dabei werden dann als kleiner Kollateralschaden auch schon mal eingeschneite Autos beiseitegeschoben und der Asphalt sieht nachher bestenfalls so aus als käme er gerade vom Friseur. Mitunter ist im Frühjahr auch ein komplettes Facelifting angesagt.

Wie es aussieht witrd diese Situation noch bis Ende März anhalten, bevor das Eis allmählich abtaut und nur noch der Schotter auf dem malträtierten Asphalt zurück bleibt. Der wird dann übrigens pünktlich vor dem 17. Mai (dem Norwegischen Nationalfeiertag) eingesammelt und für den nächsten Winter recycled – in der Hoffnung dass es endlich wieder mal einen „normalen“ Winter in Oslo gibt.

 

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Ein Himmel voller Perlmutt

Eines der weniger bekannten Himmelsphänomene in den nördlichen Breiten konnten wir dieser Tage wieder einmal beobachten.

Die Perlmuttwolken sind, im Gegensatz zum wesentlich bekannteren Nordlicht, nur bei sehr tiefstehender Sonne am Tage sichtbar. Sie entstehen wenn Eiswolken in grosser Höhe (ca. 20 bis 30 km) am Himmel stehen. Diese Stratosphärenwolken bestehen aus Schwefel- und Salpetersäuretröpfchen, um die sich noch ein Wassereismantel lagert. Werden sie von tiefstehender Sonne angestrahlt entstehen Interferenzen, die zur Beugung des Lichts führen und die Wolken in Perlmuttfarben erstrahlen lassen. Am Boden ist die Sonne dann in der Regel schon unter dem Horizont und die Dämmerung setzt ein, wodurch die Farben um so intensiver erstrahlen. Wikipedia erklärt das Phänomen ausführlicher.

Die Aufnahmen hier sind während der beginnenden Abenddämmerung entstanden. Blickrichtung ist von unserem Wohnzimmerfenster nach Süd-Südwest.

Das Farbenfeuerwerk dauerte am 22. Dezember etwa zwei Stunden und endete erst bei fast völliger Dunkelheit. Wir haben es nun in 7 Jahren zum zweiten mal so intensiv erlebt.

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Nachwuchs bei Fenris und Frøya!

4 Wolfsjunge sollen auf diesem Bild einer Wildkamera zu sehen sein. Quelle: NINA

4 Wolfsjunge sollen auf diesem Bild einer Wildkamera zu sehen sein. Quelle: NINA

Nachdem das Wolfspärchen in der Østmarka mehrere Monate nicht mehr gesehen worden war befürchtete mancher bereits, sie seien Wilderern zum Opfer gefallen. Im September gab es dann plötzlich jedoch höchst erfreuliche Neuigkeiten von Fenris und Frøya (so sind die beiden vom Osloer Publikum getauft worden): Die beiden sind nicht nur kerngesund sondern sie haben offensichtlich auch Nachwuchs bekommen. Mehrfach ist das kleine Rudel zwischenzeitlich in Kamerafallen gelaufen und konnte so abgelichtet werden.

Auf dem Bild links sind 4 gleichgrosse Wölfe zu erkennen (anklicken und im Browser vergrössern!), woraus die Forscher schliessen dass es sich um die Welpen handeln muss. Eine genaue Zählung wird erst im Winter möglich sein, wenn das Rudel Spuren im Schnee hinterlässt. Leider sind die Tiere dann auch sehr gefährdet.

Koordiniert wird die Beobachtung (und Bewachung!) der Tiere von NINA (Norsk Institutt For Naturforskning), die zum Thema Raubtiere in Norwegen (es gibt neben Wölfen auch noch Luchse, einige Braunbären und den Vielfrass) eine eigene Website unterhält.

Gleichzeitig ist natürlich auch die leidige Diskussion zwischen Wolfsfreunden und -gegnern wieder neu aufgeflammt. Interessant ist dass die Fronten nicht so klar sind wie sonst. So meldet sich zum Beispiel hin und wieder ein Schafsbesitzer zu Wort, der in den Wölfen kein Problem für seine Herde sieht und dafür von seinen Kollegen hart angegangen wird. Auch der eine oder andere besorgte Vater ist zu hören, der nun Angst hat seine Kinder in den Wald zu lassen. Besonnenere Naturen mahnen derweil an, einfach nicht mehr so einen Presserummel um die Tiere zu veranstalten. Das würde sie wohl in der Tat am besten schützen. Wohltuend auch dieser Kommentar: “Ich wünsche mir dass mehr Fakten und weniger Mythen in der Diskussion eine Rolle spielen”.

Dem können wir nur zustimmen!

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Fenris und Frøya: Oslo’s Wölfe haben jetzt einen Namen

Nun ist es also entschieden. Nach mehrtaegiger oeffentlicher Diskussion und Abstimmung stehen die Namen fuer das Wolfspaerchen in der Østmarka fest:

Fenris in Asgard

Fenris in Asgard
Gemaelde von D. Hardy (Quelle: Wikipedia)

“Fenris” und “Frøya” werden die beiden nun heissen, die Namen sind der altnorwegischen Sagenwelt entlehnt. “Fenris” ist der Ueberlieferung nach der Sohn des Gottes Loki und der Riesin Adgard. Er wird von den Goettern nach Asgard verschleppt und dort mit der magischen Fessel Gleipnir gefangen gehalten. “Frøya” ist in der nordischen Sagenwelt die Fruchtbarkeitsgoettin.

Nicht durchsetzen konnte sich der Vorschlag, die beiden Tiere mit den Vornamen zweier Politiker zu taufen, die in Norwegen zu den prominentesten Wolfsgegnern gehoeren.

“Hans og Grete” (Haensel und Gretel) kamen dagegen in die engere Auswahl, hatten aber ebensowenig eine Chance wie “rask og rusle” (schnell und Langsam).
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Der Wolf – In Oslo ist er willkommen

Howlsnow

Der Wolf: In Oslo ist er willkommen (Quelle: Wikipedia)

Seit einigen Tagen ist Oslo auf den Wolf gekommen. Bereits im Sommer und Herbst wurde ein einzelner Ruede entdeckt, der durch die Waelder der Østmarka und ueber die Insel Nesodden streifte. Anfang Januar haben Forscher die das Tier beobachten nun festgestellt dasss ein weiblicher Wolf hinzugekommen ist und dass die beiden ein Revier markieren. Dieses Verhalten deutet darauf hin dass im Fruehjahr Junge zu erwarten sind.

Interessanterweise sind die Woelfe in unmittelbarer Naehe der Hauptstadt Norwegens bei der Bevoelkerung mehrheitlich willkommen. Eine Umfrage ergab dass 48 % der Osloer den Tieren aufgeschlossen und positiv gegenueberstehen und nur 37 % sie vertrieben sehen wollen. In Gesamt-Norwegen sind diese Zahlen genau andersherum. Natuerlich bringen sich auch hier bereits die Schafzuechter und Jaeger mit ihren ueblichen Argumenten in Stellung, finden aber nicht so recht Gehoer. Immerhin liegt der letzte potentielle Angriff eines Wolfs auf einen Menschen in Norwegen bereits ueber 200 Jahre zurueck – und auch dieser Vorfall ist nicht wirklich belegt sondern nur ueberliefert.

Gute Voraussetzungen also fuer eine glueckliche Wolfsfamilie in unmittelbarer Nachbarschaft der Hauptstadt. Wir hoffen dass die Kinderstube nun nicht von lauter Wolfsfans ueberrant wird, die dann in bester Absicht vielleicht doch zu viel Stoerungen verursachen.

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