Hopfen und Malz – Jetzt aber richtig!

Nach sechs hektischen Monaten ist es höchste Zeit, mal wieder von uns zu berichten.

Während Silvia an der Universität in Oslo inzwischen eine halbe feste Stelle bekommen hat wurde ich im Zuge der allgemeinen Ölpreiskrise im vergangenen Dezember von meinem Arbeitgeber entlassen. Zum Jahresende macht die Firma hier ganz dicht. Nachdem ich einige Monate das Leben als Arbeitsloser genossen habe (es gibt derzeit absolut keinen Arbeitsmarkt für Survey-Geologen) gründete ich Mitte dieses Jahres eine Ein-Mann Firma um Aufträge als Freelancer annehmen zu können. Die meisten Firmen in der Öl- und der Surveybranche haben nämlich viel zu viele Mitarbeiter abgebaut und suchen jetzt händeringend temporäres Personal, bis sie wieder anfangen können feste Mitarbeiter einzustellen. Im August war ich bereits wieder 4 Wochen als Geologe auf einem Schiff im Atlantik, NW von Schottland unterwegs (Sea of Hebrides), und im Oktober werde ich 4 Wochen in Gøteborg bei einer schwedischen Firma im Office arbeiten. Dazwischen musste ich mir Buchführung und Rechnungswesen nach norwegischen Regeln in Rekordzeit aneignen, um nicht eine fiskalische Katastrophe anzurichten.

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Der Grainfather, eine Heimbrauerei aus Neuseeland, in seiner ganzen Pracht.

Im Sommer haben wir uns einen lang gehegten Traum erfüllt. Wir brauen ja bereits seit 2008 unser eigenes Bier, das Bregnebräu, bislang aber ausschließlich aus sogenannten Bierkits, das sind Dosen mit fertigem Bierkonzentrat, dem man nur noch Hefe zusetzen und es einige Tage gären lassen muss. Das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen, aber so ein richtiges “Braufeeling” kommt dabei natürlich nicht auf. So liebäugelten wir schon lange mit dem Kauf einer Heimbrauerei, mit der man Bier tatsächlich aus den Rohzutaten Malz, Hopfen und Hefe herstellen kann. Lediglich der begrenzte Platz in unserer Wohnung und der hohe Preis, z.B. eines Braumeisters, hielten uns zurück.  Im Juli entdeckte ich im Brauereibedarfsladen meines Vertrauens dann ein neues Gerät, den Grainfather aus Neuseeland, der mich sofort überzeugte. Der Preis ist deutlich niedriger als bei anderen Geräten und das Konzept sehr durchdacht. Passenderweise konnte ich direkt beim brauen einer “Berliner Weisse” zusehen, und so nahm das Unheil seinen Lauf und Silvia erhielt gerade noch eine Vorwarnung per SMS: “Du mußt jetzt sehr tapfer sein”!

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Während des Einmaischens wird das Brauwasser ständig durch die Maische gepumpt.

Am nächsten Tag wurde der Topf eingeweiht und wir brauten unsere erste Ladung echten Hefeweizens. So ein Brauvorgang für ca. 24 l Bier dauert in der Regel 4-6 Stunden, in denen man aber nicht ständig am Gerät stehen muss. Zunächst wird dabei das Malz mit heissem Wasser vermischt in den Maischebottich eingefuellt, der sich im Brautopf befindet. Nun wird das Wasser eine Stunde lang umgepumpt und immer wieder durch die Maische geleitet, bis die im Malz befindliche Stärke mittels der ebenfalls enthaltenen Enzyme in Zucker umgewandelt ist. Dabei ist es wichtig, die gewünschte Temperatur genau einzuhalten, da davon die Aktivierung ganz bestimmter Enzyme abhängt, die wiederum verschiedene Zucker produzieren, mithin also den Geschmack des späteren Bieres gewaltig beeinflussen. Nachdem diese Phase abgeschlossen ist folgt das “Läutern” des Bieres. Dabei wird der Maischebottich aus dem Topf herausgehoben und zusätzliches Brauwasser durch den Maischebottich in den Topf geleitet, um den Zucker komplett aus der Maische herauszuwaschen.  Anschliessend wird die Flüssigkeit zum Kochen gebracht und die erste Ladung Hopfen zugesetzt. Dieses sogenannte Hopfenkochen dauert wiederum 60 bis 90 Minuten. Dabei wird die Bitterheit des Bieres eingestellt, sie hängt von der verwendeten Hopfensorte und der Kochdauer ab. Gegen Ende des Hopfenkochens wird erneut Hopfen zugesetzt, der vor allem Aroma freisetzt um zum Beispiel den typischen Geschmack einer “Indian Pale Ale” zu erhalten.

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Der Gegenstromkühler: Kompakt und effektiv.

Nun wird es kritisch. Bislang war das Bier ja immer so heiß dass Bakterien und wilde Hefen aus der Luft keine Chance hatten. Um nun die Bierhefe zuzusetzen und die Gärung einleiten zu können muss das Bier möglichst schnell heruntergekühlt werden. In dieser Phase muss alles schnell gehen und vor allem peinlich sauber sein.  Im Grainfather erledigt ein Gegenstromkühler das Herunterkühlen, das ist eine doppelwandige Rohrspirale; im inneren Rohr strömt kaltes Wasser, drum herum das Bier in Gegenrichtung. Dabei wird das Bier sofort auf Gärtemperatur heruntergekühlt und gleichzeitig in den Gärbottich umgefüllt. Nun noch die Hefe hinzufügen, Deckel drauf und gären lassen. Dabei lernten wir dann auch gleich dass derart hergestelltes Bier deutlich “explosiver” gärt als Fertigmelasse aus Dosen. Am Abend des zweiten Tages hat es fast den Deckel vom Gäreimer abgesprengt.  Leider musste ich dann 2 Tage vor der Abfüllung nach Irland reisen um meinen Job anzutreten, so dass Silvia das Bier alleine auf Flaschen füllen musste. Mir blieb während der darauffolgenden 4 Wochen auf dem (alkoholfreien) Schiff die tägliche Vorfreude auf ein gerade fertiges Hefeweizen bei meiner Rückkehr!

Beim Öffnen der ersten Flaschen erfolgte dann die Offenbarung: Unser Weizen ist auf Anhieb so viel besser als die früheren “Dosenbiere”, dass wir uns schon jetzt nicht mehr vorstellen können, anders als aus Rohzutaten zu brauen. Und wer weiß: Womöglich ist die “Øl”-Branche derzeit die bessere Wahl als die “Öl”-Branche …

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Skål!

 

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