Hopfen und Malz – Jetzt aber richtig!

Nach sechs hektischen Monaten ist es höchste Zeit, mal wieder von uns zu berichten.

Während Silvia an der Universität in Oslo inzwischen eine halbe feste Stelle bekommen hat wurde ich im Zuge der allgemeinen Ölpreiskrise im vergangenen Dezember von meinem Arbeitgeber entlassen. Zum Jahresende macht die Firma hier ganz dicht. Nachdem ich einige Monate das Leben als Arbeitsloser genossen habe (es gibt derzeit absolut keinen Arbeitsmarkt für Survey-Geologen) gründete ich Mitte dieses Jahres eine Ein-Mann Firma um Aufträge als Freelancer annehmen zu können. Die meisten Firmen in der Öl- und der Surveybranche haben nämlich viel zu viele Mitarbeiter abgebaut und suchen jetzt händeringend temporäres Personal, bis sie wieder anfangen können feste Mitarbeiter einzustellen. Im August war ich bereits wieder 4 Wochen als Geologe auf einem Schiff im Atlantik, NW von Schottland unterwegs (Sea of Hebrides), und im Oktober werde ich 4 Wochen in Gøteborg bei einer schwedischen Firma im Office arbeiten. Dazwischen musste ich mir Buchführung und Rechnungswesen nach norwegischen Regeln in Rekordzeit aneignen, um nicht eine fiskalische Katastrophe anzurichten.

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Der Grainfather, eine Heimbrauerei aus Neuseeland, in seiner ganzen Pracht.

Im Sommer haben wir uns einen lang gehegten Traum erfüllt. Wir brauen ja bereits seit 2008 unser eigenes Bier, das Bregnebräu, bislang aber ausschließlich aus sogenannten Bierkits, das sind Dosen mit fertigem Bierkonzentrat, dem man nur noch Hefe zusetzen und es einige Tage gären lassen muss. Das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen, aber so ein richtiges “Braufeeling” kommt dabei natürlich nicht auf. So liebäugelten wir schon lange mit dem Kauf einer Heimbrauerei, mit der man Bier tatsächlich aus den Rohzutaten Malz, Hopfen und Hefe herstellen kann. Lediglich der begrenzte Platz in unserer Wohnung und der hohe Preis, z.B. eines Braumeisters, hielten uns zurück.  Im Juli entdeckte ich im Brauereibedarfsladen meines Vertrauens dann ein neues Gerät, den Grainfather aus Neuseeland, der mich sofort überzeugte. Der Preis ist deutlich niedriger als bei anderen Geräten und das Konzept sehr durchdacht. Passenderweise konnte ich direkt beim brauen einer “Berliner Weisse” zusehen, und so nahm das Unheil seinen Lauf und Silvia erhielt gerade noch eine Vorwarnung per SMS: “Du mußt jetzt sehr tapfer sein”!

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Während des Einmaischens wird das Brauwasser ständig durch die Maische gepumpt.

Am nächsten Tag wurde der Topf eingeweiht und wir brauten unsere erste Ladung echten Hefeweizens. So ein Brauvorgang für ca. 24 l Bier dauert in der Regel 4-6 Stunden, in denen man aber nicht ständig am Gerät stehen muss. Zunächst wird dabei das Malz mit heissem Wasser vermischt in den Maischebottich eingefuellt, der sich im Brautopf befindet. Nun wird das Wasser eine Stunde lang umgepumpt und immer wieder durch die Maische geleitet, bis die im Malz befindliche Stärke mittels der ebenfalls enthaltenen Enzyme in Zucker umgewandelt ist. Dabei ist es wichtig, die gewünschte Temperatur genau einzuhalten, da davon die Aktivierung ganz bestimmter Enzyme abhängt, die wiederum verschiedene Zucker produzieren, mithin also den Geschmack des späteren Bieres gewaltig beeinflussen. Nachdem diese Phase abgeschlossen ist folgt das “Läutern” des Bieres. Dabei wird der Maischebottich aus dem Topf herausgehoben und zusätzliches Brauwasser durch den Maischebottich in den Topf geleitet, um den Zucker komplett aus der Maische herauszuwaschen.  Anschliessend wird die Flüssigkeit zum Kochen gebracht und die erste Ladung Hopfen zugesetzt. Dieses sogenannte Hopfenkochen dauert wiederum 60 bis 90 Minuten. Dabei wird die Bitterheit des Bieres eingestellt, sie hängt von der verwendeten Hopfensorte und der Kochdauer ab. Gegen Ende des Hopfenkochens wird erneut Hopfen zugesetzt, der vor allem Aroma freisetzt um zum Beispiel den typischen Geschmack einer “Indian Pale Ale” zu erhalten.

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Der Gegenstromkühler: Kompakt und effektiv.

Nun wird es kritisch. Bislang war das Bier ja immer so heiß dass Bakterien und wilde Hefen aus der Luft keine Chance hatten. Um nun die Bierhefe zuzusetzen und die Gärung einleiten zu können muss das Bier möglichst schnell heruntergekühlt werden. In dieser Phase muss alles schnell gehen und vor allem peinlich sauber sein.  Im Grainfather erledigt ein Gegenstromkühler das Herunterkühlen, das ist eine doppelwandige Rohrspirale; im inneren Rohr strömt kaltes Wasser, drum herum das Bier in Gegenrichtung. Dabei wird das Bier sofort auf Gärtemperatur heruntergekühlt und gleichzeitig in den Gärbottich umgefüllt. Nun noch die Hefe hinzufügen, Deckel drauf und gären lassen. Dabei lernten wir dann auch gleich dass derart hergestelltes Bier deutlich “explosiver” gärt als Fertigmelasse aus Dosen. Am Abend des zweiten Tages hat es fast den Deckel vom Gäreimer abgesprengt.  Leider musste ich dann 2 Tage vor der Abfüllung nach Irland reisen um meinen Job anzutreten, so dass Silvia das Bier alleine auf Flaschen füllen musste. Mir blieb während der darauffolgenden 4 Wochen auf dem (alkoholfreien) Schiff die tägliche Vorfreude auf ein gerade fertiges Hefeweizen bei meiner Rückkehr!

Beim Öffnen der ersten Flaschen erfolgte dann die Offenbarung: Unser Weizen ist auf Anhieb so viel besser als die früheren “Dosenbiere”, dass wir uns schon jetzt nicht mehr vorstellen können, anders als aus Rohzutaten zu brauen. Und wer weiß: Womöglich ist die “Øl”-Branche derzeit die bessere Wahl als die “Öl”-Branche …

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Skål!

 

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Vier- und zweibeinige Athleten

Der Winter in Oslo war mal wieder schneearm, viel zu warm und kurz – lediglich Anfang Januar gab es zwei Wochen mit knackiger Kälte um -15°. Anfang Februar aber hatten wir dennoch ein Winter-Erlebnis der besonderen Art! In Røros findet jedes Jahr das teilnehmermässig grösste Schlittenhunderennen Skandinaviens statt, der Femundløpet. Um wenigstens ein bischen “tiefen Winter” zu erleben beschlossen wir spontan, dieses Rennen zu besuchen. Røros kannten wir bereits von früheren Aufenthalten. Die Stadt, genauer die Altstadt und die vollstaendig erhaltene mittelalterliche Kupfermine, gehört zum UNESCO Weltkulturerbe. Da wir natürlich wie immer auf den letzten Drücker buchen wollten, waren die Hütten in der Umgebung bereits alle ausgebucht. Also entschlossen wir uns, ein traditionsreiches Hotel aufzusuchen, das Værtshuset. Das liegt mitten in der Altstadt und unmittelbar an der Rennstrecke, versprach also spannend zu werden.

Bereits bei unserer Ankunft mit dem Nachmittagszug war die Stadt von Hundegebell geprägt. Es hatten sich immerhin 180 Gespanne mit zusammen 1600 Hunden für die Rennen angemeldet. Rund um das Hotel waren Huskies und Malamuten angeleint, aus jedem Anhänger lugten gespannte Augenpaare hervor. In Abständen begann irgendwo ein Hund zu heulen, worauf ein vielstimmiger Chor einsetzte und eine ganze Weile anhielt. Kurz, Røros war fest in der Hand von Malamuten, Sibirien und American Huskies und noch einigen exotischeren Zughunden.

Der Femundløpet wird in drei Klassen ausgetragen: Die Langstrecke geht über eine Distanz von 600 km, mit Gespannen von 12 Hunden. Die Kurzstrecke ist immerhin 400 km lang, die Gespanne haben 8 Hunde. Die Jugenddistanz beträgt 200 km und wird mit 6 Hunden gelaufen. Unterwegs gibt es Checkpoints, an denen alle Gespanne tierärztlich untersucht und gegebenenfalls kranke oder erschöpfte Hunde aus dem Rennen genommen werden. An einigen der Checkpoints kann der Musher (der Fahrer) anschliessend sofort weiterfahren, an anderen muss er eine Zwangspause von einigen Stunden einlegen. Das Rennen führt ansonsten durch menschenleeres Gebiet und über weite Strecken auf zugefrorenen Seen entlang, bevor die Fahrer nach 25h (Jugend) bis 5 Tagen (600 km) wieder in Røros im Ziel ankommen. Auch wenn Norwegen nicht Alaska und die Femundmarka nicht der Yukon ist, das Wetter diktiert den Ablauf der Rennen. Im Jahr 2015 musste der Femundlopet wegen Schneesturm abgebrochen werden, dazu weiter unten mehr.

Am Freitag morgen befand sich die Stadt im Ausnahmezustand. Die Rennstrecke verläuft direkt mitten durch die Altstadt, auf der Hauptstrasse und durch das Gelände der Mine hindurch aus der Stadt heraus. Bereits einige Stunden vor dem Start wurden die Hunde angeschirrt. Der Lärm war ohrenbetäubend. Jeder einzelne Hund hatte die ganz grosse Befürchtung, dass er und nur er als einziger nicht mitdurfte, und das teilte er auch lautstark jedem mit, der in die Nähe kam. Endlich waren alle Hunde sortiert (na ja…) und die Gespanne stellten sich an der Startline auf, wo sie im Abstand von 1 Minute auf die von tausenden Schaulustigen gesäumte Strecke geschickt wurden. Es war ein unglaubliches Spektakel. Die Hunde wussten was das herunterzählen der Sekunden vor dem Start zu bedeuten hatte und rannten die letzten Sekunden quasi schon im Leerlauf, bevor der Musher den Anker (!) löste und der Schlitten davon schoss. Man muss das gesehen haben, in Worten ist es kaum zu beschreiben. Daher folgt jetzt erstmal eine Bildergalerie vom Start und den ersten Metern der Strecke. Ganz am Ende dieses Posts gibt es auch ein paar Links zu unseren Videos.

Nachdem alle Starter die Stadt verlassen hatten wurde es beinahe unwirklich still. Das Hundegebell war verstummt und die Helfer (jeder Schlittenhundeführer benötigt mehrere Helfer oder “dog handler”) hatten sich zum Aufwärmen in die zahlreichen Kaffees zurückgezogen. Es begann die lange Zeit des Wartens bis zum Zieleinlauf. Als erste wurden am Samstag Abend die Jugendlichen erwartet, während die Teilnehmer der Langstrecke erst Montag abend ankommen sollten. Wir nutzten den Nachmittag, um uns die Stadt anzusehen und die lokalen Geocaches zu heben. Am Abend, bereits im Dunkeln, startete das grösste Teilnehmerfeld mit 85 Gespannen auf die 400km Distanz. Das war eine sehr stimmungsvolle Angelegenheit, und erneut übertrug sich die Begeisterung der Hunde auf alle Zuschauer. Es ist unglaublich, mit welcher Euphorie diese Hunde an den Start gehen und bereit sind, bis zur totalen Erschöpfung zu laufen. Die Musher treiben sie nicht mal wirklich an und die Tierärzte müssen diese Schwerathleten wohl in erster Linie vor sich selbst schützen.

Nach einer herrlichen Nacht im Hotel erfuhren wir durch Zufall, dass die Jugendlichen bereits am Nachmittag im Ziel erwartet wurden. So konnten wir den Zieleinlauf bei schönem (kaltem) Wetter live miterleben. Jetzt wurde auch beim Ansehen der zweibeinigen Athleten klar, dass so ein Lauf sie ans Ende ihrer Kräfte bringt. Die Jugendlichen (fast ausschliesslich Mädchen) sind zwischen 15 und 18 Jahren alt und machen das als Hobby neben der Schule. Während des Laufes sind sie ganz allein auf sich gestellt. Dabei beweisen sie grosses Können und eine enorme mentale Stärke. Und die wird auch benötigt; 2015 musste das Rennen wegen Schneesturm abgebrochen werden. Die damals 15-jährige Hanna Lyrek, für die es das erste Schlittenhunderennen war, hatte zu diesem Zeitpunkt bereits den letzten Checkpunkt verlassen und musste sich nach 4 Stunden mit ihrem Gespann im Schnee eingraben um nicht zu erfrieren. Erst am nächsten Tag, nach weiteren 12 Stunden wurde sie von Suchmannschaften gefunden.

Das Jugendrennen hat uns enorm beeindruckt. Deshalb gibt es hier auch eine eigene Galerie von diesem Rennen.

Gut gemacht ist übrigens die Möglichkeit, alle Rennen auf einer digitalen Karte am Smartphone oder Tablet live zu verfolgen. Alle Fahrer haben GPS Transponder und werden live auf der Strecke angezeigt. Zusammen mit den Berichten von den Kontrollpunkten erhält man so ein recht gutes Bild vom Rennverlauf und den Geschehnissen auf der Strecke. Auf der Website des Femundløpet gibt es eine Menge professioneller Videos und Bilder von den Rennen der letzten Jahre.

Unsere eigenen Videos sind natuerlich laengst nicht so gut wie die Profi-Streifen. Wer sie trotzdem sehen mag, braucht nur den Links folgen:

Bilder aus der “Boxengasse”, von der Vorbereitung der Gespanne. Tipp: Ohrenschuetzer helfen!
Der Start des Rennens über 600 km
Die erste Kurve hat es in sich
Zielankunft der Jugendlichen nach 200 km und 25 Stunden

Viel zu schnell war unsere Zeit in Røros abgelaufen. Wir werden wohl nächstes Jahr wieder hinfahren. Denn der Femundløpet ist auf jeden Fall eine Reise wert!

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Høsttur – Herbstwanderung

arte der Herbstwanderung nach Selsli. Beleuchtung des Reliefs von NW, Zum vergroessern anklicken.

Karte der Herbstwanderung nach Selsli. Beleuchtung des Reliefs von NW. Zum vergroessern anklicken.

Eine Herbstwanderung im norwegischen Fjell ist ein besonderes Erlebnis.  Während in den Tälern das Laub in herbstlichen Farben erstrahlt gibt es in den höheren Lagen bereits die ersten Frostnächte. Einige Sonnentage im Herbst zu einer zünftigen Hüttentour zu nutzen ist deshalb sehr beliebt. Dem norwegischen Touristenverein DNT ist es zu verdanken dass dazu über 600 Wanderhütten im ganzen Land zur Verfügung stehen. Die meisten der Hütten sind unbewirtschaftet. Um sie nutzen zu können benötigt man einen Generalschlüssel, den Mitglieder dauerhaft gegen ein kleines Deputat auf der DNT Geschäftsstelle erhalten. Die Abrechnung der Aufenthalte erfolgt auf Vertrauensbasis, allerdings gibt es gelegentlich Kontrollen. Daneben existieren selbstbediente Hütten und bediente Häuser. In ersteren findet sich ein Essensdepot und in der Hochsaison auch ein Hüttenwart, letztere sind im Prinzip einfache Hostels mit Personal.

Nachdem die Ölpreiskrise auch bei meinem Arbeitgeber tiefe Spuren hinterlassen hat und ich mich seit Oktober unversehens auf Jobsuche befinde beschloss ich die ersten Oktobertage Für eine Wanderung im Fjell zu nutzen. Von Kongsberg aus sollte es über die Selslihütte und den Ort Bolkesjø ins Blefjell gehen, ein Höhenrücken, den ich vom Segelflugzeug aus schon oft aus der Ferne gesehen, jedoch noch nie erreicht habe. Das Blefjell ist ca. 1300 m hoch und dort befinden sich mehrere DNT Hütten, die es erlauben das gesamte Gebiet der Länge nach zu durchwandern.

Leider wurden meine Pläne schon am ersten Tag zunichte gemacht, da das angesagt schöne und sonnige Herbstwetter unversehens durch Sturm und Regen ersetzt wurde. Als ich am Abend nach 21 km die  750m hoch gelegene Selslihütte erreichte war ich klatschnass und fix und fertig, denn der Weg verlief abwechselnd über moosglatten Fels und durch sumpfiges Gelände. Ich beschloß erst mal einen Tag Pause auf der Hütte zu machen und am nächsten Tag einen nahe gelegenen Aussichtspunkt zu ersteigen.

Gesagt getan, der Anblick des noch 20 km entfernten Fjells machte dann allerdings sofort klar daß an eine Besteigung nicht zu denken war. Das, was ich als Regen abbekommen hatte, war im Blefjell als erster Schnee gefallen, und da bereits an der tiefer gelegenen Selslihütte die Temperaturen auch tagsüber bei 0 Grad lagen war es schlicht zu gefährlich, allein und unter der Woche den Aufstieg zu wagen. Um diese Jahreszeit ist es einsam in den Fjellen und im Falle eines Unfalls wäre ich eventuell lange nicht gefunden worden.

Also beschloss ich, die nächsten Tage noch in Selsli zu verbringen und dann am Ende der Woche nach Notodden abzusteigen. In der Tat sollte ich während der gesamten Woche keinem Menschen begegnen, ein Weitergehen in vereistem Gelände wäre also wirklich nicht ganz ungefährlich gewesen.

Das Blefjell habe ich nicht erreicht. Aber ich gebe nicht auf, im nächsten Jahr will ich es wieder versuchen. Vielleicht lieber im September, dann sollte die Gegend noch schneefrei sein. Und auch die Selslihütte habe ich in mein Herz geschlossen. Dort werde ich nächstes Jahr einige schöne Tage mit Silvia verbringen. Hier noch ein paar Bilder von der Wanderung.

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Icebreaker

Die Winter in Oslo sind auch nicht mehr das was sie mal waren. In den letzten drei Jahren gab es nicht den sonst üblichen kontinuierlichen Dauerfrost mit trockenem Winterwetter, sondern stattdessen einen ständigen Wechsel zwischen Plusgraden mit Regen und (wenigen) Minusgraden mit Schnee.

20150212_09125920150212_091358Dementsprechend ist die gewohnte festgefahrene Schneedecke auf den Strassen (auf der man sehr gut Auto fahren kann) einer wilden Kraterlandschaft aus massivem Eis gewichen, die jegliche Fortbewegung zu einem echten Abenteuer macht. Die Unfallzahlen steigen seitdem sprunghaft an; bis zu 50 Menschen werden pro Tag mit Knochenbrüchen in die hiesigen Krankenhäuser eingeliefert.

Das ist unter anderem der Tatsache geschuldet dass die Stadt kaum Salz verwendet. Strassen mit Gefälle werden mit grobem Split gestreut, hangparallele Strassen dagegen nur geräumt. Funktioniert an sich auch prima, solange die Temperaturen dauerhaft unter dem Gefrierpunkt liegen. Für die derzeitigen „Norddeutschen Verhältnisse“ ist es hingegen keine Lösung. Daher muss die Stadt nun zu radikalen Methoden greifen. 20150211_09115120150211_091159Auf den Strassen sind Baufahrzeuge unterwegs, um  das Eis mit Gewalt aufzubrechen. Dabei werden dann als kleiner Kollateralschaden auch schon mal eingeschneite Autos beiseitegeschoben und der Asphalt sieht nachher bestenfalls so aus als käme er gerade vom Friseur. Mitunter ist im Frühjahr auch ein komplettes Facelifting angesagt.

Wie es aussieht witrd diese Situation noch bis Ende März anhalten, bevor das Eis allmählich abtaut und nur noch der Schotter auf dem malträtierten Asphalt zurück bleibt. Der wird dann übrigens pünktlich vor dem 17. Mai (dem Norwegischen Nationalfeiertag) eingesammelt und für den nächsten Winter recycled – in der Hoffnung dass es endlich wieder mal einen „normalen“ Winter in Oslo gibt.

 

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Ein Himmel voller Perlmutt

Eines der weniger bekannten Himmelsphänomene in den nördlichen Breiten konnten wir dieser Tage wieder einmal beobachten.

Die Perlmuttwolken sind, im Gegensatz zum wesentlich bekannteren Nordlicht, nur bei sehr tiefstehender Sonne am Tage sichtbar. Sie entstehen wenn Eiswolken in grosser Höhe (ca. 20 bis 30 km) am Himmel stehen. Diese Stratosphärenwolken bestehen aus Schwefel- und Salpetersäuretröpfchen, um die sich noch ein Wassereismantel lagert. Werden sie von tiefstehender Sonne angestrahlt entstehen Interferenzen, die zur Beugung des Lichts führen und die Wolken in Perlmuttfarben erstrahlen lassen. Am Boden ist die Sonne dann in der Regel schon unter dem Horizont und die Dämmerung setzt ein, wodurch die Farben um so intensiver erstrahlen. Wikipedia erklärt das Phänomen ausführlicher.

Die Aufnahmen hier sind während der beginnenden Abenddämmerung entstanden. Blickrichtung ist von unserem Wohnzimmerfenster nach Süd-Südwest.

Das Farbenfeuerwerk dauerte am 22. Dezember etwa zwei Stunden und endete erst bei fast völliger Dunkelheit. Wir haben es nun in 7 Jahren zum zweiten mal so intensiv erlebt.

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Nachwuchs bei Fenris und Frøya!

4 Wolfsjunge sollen auf diesem Bild einer Wildkamera zu sehen sein. Quelle: NINA

4 Wolfsjunge sollen auf diesem Bild einer Wildkamera zu sehen sein. Quelle: NINA

Nachdem das Wolfspärchen in der Østmarka mehrere Monate nicht mehr gesehen worden war befürchtete mancher bereits, sie seien Wilderern zum Opfer gefallen. Im September gab es dann plötzlich jedoch höchst erfreuliche Neuigkeiten von Fenris und Frøya (so sind die beiden vom Osloer Publikum getauft worden): Die beiden sind nicht nur kerngesund sondern sie haben offensichtlich auch Nachwuchs bekommen. Mehrfach ist das kleine Rudel zwischenzeitlich in Kamerafallen gelaufen und konnte so abgelichtet werden.

Auf dem Bild links sind 4 gleichgrosse Wölfe zu erkennen (anklicken und im Browser vergrössern!), woraus die Forscher schliessen dass es sich um die Welpen handeln muss. Eine genaue Zählung wird erst im Winter möglich sein, wenn das Rudel Spuren im Schnee hinterlässt. Leider sind die Tiere dann auch sehr gefährdet.

Koordiniert wird die Beobachtung (und Bewachung!) der Tiere von NINA (Norsk Institutt For Naturforskning), die zum Thema Raubtiere in Norwegen (es gibt neben Wölfen auch noch Luchse, einige Braunbären und den Vielfrass) eine eigene Website unterhält.

Gleichzeitig ist natürlich auch die leidige Diskussion zwischen Wolfsfreunden und -gegnern wieder neu aufgeflammt. Interessant ist dass die Fronten nicht so klar sind wie sonst. So meldet sich zum Beispiel hin und wieder ein Schafsbesitzer zu Wort, der in den Wölfen kein Problem für seine Herde sieht und dafür von seinen Kollegen hart angegangen wird. Auch der eine oder andere besorgte Vater ist zu hören, der nun Angst hat seine Kinder in den Wald zu lassen. Besonnenere Naturen mahnen derweil an, einfach nicht mehr so einen Presserummel um die Tiere zu veranstalten. Das würde sie wohl in der Tat am besten schützen. Wohltuend auch dieser Kommentar: “Ich wünsche mir dass mehr Fakten und weniger Mythen in der Diskussion eine Rolle spielen”.

Dem können wir nur zustimmen!

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Hochwasser in Norwegen

Auf die hochsommerlichen Temperaturen des vergangenen Wochenendes folgte praktisch unmittelbar eines der kräftigsten Hochwasser der letzten 100 Jahre. Hintergrund ist die starke Schneeschmelze nach dem hochsommerlichen Pfingstwochenende in Verbindung mit extremem Starkregen am Montag und Dienstag. Praktisch alle grösseren Flüsse in Südnorwegen traten über die Ufer. Mehrere Bahnlinien und Autobahnen mußten nach Erdrutschen gesperrt und das Stätchen Kvam im Gudbrandsdal musste evakuiert werden, nachdem sich der Fluss ein neues Bett mitten durch die Häuser gesucht hatte.

Notodden, direkt am See “Heddalsvannet” gelegen, traf es diesmal ebenfalls schlimm. Und so musste der Vorsitzende des Notodden Seilflyklubb am Dienstag gegen Mittag einen “alle Mann an Deck” Aufruf verschicken, um Schleppflugzeug, Segelflugzeuge und Campinganhänger schnellstmöglich zu evakuieren. Es ist uns gerade so gelungen…

Das Wasser kommt! Evakuierung der Segelflugzeuge und Campingwagen

Das Wasser kommt! Evakuierung der Segelflugzeuge und Campingwagen


Das Bild zeigt die Situation am Dienstag um 19:23, es ist das letzte Bild, bevor die Webcam den Dienst einstellte

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Aussenlandung in Seljord (Telemark)

Das Pfingstwochenende brachte Norwegen die wärmsten Maitage seit Menschengedenken, mit Temperaturen zwischen 26 und 30 Grad Celsius. Damit herrschten ideale Bedingungen zum Segelfliegen und auch Stefan war auf dem Flugplatz in Notodden (bzw in der Luft) zu finden. Leider verlief der Sonntagsausflug nach Kviteseid dann jedoch nicht ganz wie geplant. Ausgerechnet am entferntesten Wendepunkt der geplanten Tour machte die Thermik eine Mittagspause und nötigte ihn nach 2.5 Stunden zur Aussenlandung auf einem Acker in Seljord. So etwas kommt beim Segelfliegen immer wieder mal vor (jedenfalls wenn man “Strecke” fliegt), für Stefan war es jedoch nach sieben Jahren Flugpraxis das erste mal. Im Gebirge (hier heißt das ja “Fjell”) ist es dann mitunter nicht einfach, einen geeigneten Landeplatz zu finden. Glücklicherweise fand sich jedoch schnell eine geeignete, frisch eingesäte Heuwiese, die nicht von Hindernissen begrenzt wurde. Die eigentliche Landung verläuft wie auf einem Flugplatz, nur dass man eben die “Platzrunde” improvisieren muss. Die Wiese erwies sich als völlig eben und fest genug, so dass es keinerlei Probleme gab und Pilot und Flugzeug unversehrt blieben.

Aussenlandung am 19.05.2013

Aussenlandung am 19.05.2013


Nach der Landung musste Stefan 4 Stunden auf seine Rückholer warten, denn die mussten vorher noch einen Vereinskameraden, der kurz vorher ebenfalls aussengelandet war, einsammeln. Allerdings hatte er reichlich Gesellschaft, denn die Stelle lag direkt an einer befahrenen Strasse, und der Anblick eines Flugzeugs im Acker lockte denn doch manchen Schaulustigen an. Gegen 18:30 kamen die Helfer mit dem Anhänger und gegen 22:00 waren alle wieder am Flugplatz.

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Zaungäste

Heute haben wir noch einen kleinen Nachtrag zum Winter, der inzwischen endlich auch in Oslo vollständig zuende ist. Alljährlich im Spätwinter (und manchmal auch zu anderen Zeiten) verirren sich, sehr zu unserer Freude, Rehe und andere Waldbewohner zu uns in Nordberg. Die Gartenbesitzer sehen das gar nicht so entspannt, denn sie sorgen sich zu Recht um die Knospen ihrer Rosen und Obstbäume, die zur bevorzugten Frühjahrsnahrung der Tiere zählen.

Das Reh stand Anfang Januar vor der Tür, die Elchkuh besuchte Nachbars Obstbäume Anfang April.

Das Reh stand Anfang Januar vor der Tür, die Elchkuh besuchte Nachbars Obstbäume Anfang April.

Nun sind es ja nur ungefähr 700 m bis zum Sognsvann und damit dem Beginn der Nordmarka, einem riesigen Waldgebiet im Norden von Oslo. Dennoch staunte Silvia nicht schlecht über die junge Elchkuh, die wohl im vereisten Frühjahrsschnee nicht mehr genug Nahrung fand und sich deshalb für die Obstbäume unseres Nachbarn interessiert hat.
An sich sind solche Begegnungen hier gar nicht so selten, und gelegentlich gehen sie auch nicht so glimpflich ab. Vor zwei Jahren traf eine Spaziergängerin mit Pudel in unserem Stadtviertel auf offener Straße auf einen Elch. Unglücklicherweise beschloss der (angeleinte!) Pudel, sein Frauchen lautstark verteidigen zu müssen, worauf ihn der Elch mit einem einzigen Fußtritt ins Jenseits beförderte und, ein konsterniertes Frauchen zurücklassend, leicht genervt von dannen zog. Manchmal ist es hier im “wilden Norden” eben richtig gefährlich.

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Segelflug Saisonstart in Norwegen

Für die Jahreszeit eindeutig zu warm war es im März in Norwegen. Während Norddeutschland mit Schneefall und Sturm einen Rückfall in den tiefsten Winter erlebte, hatten wir hier 10 Grad über Null und Schneeschmelze.Da ist es natürlich kein Wunder dass die Segelflugsaison 2013 in Norwegen bereits eine Woche vor Ostern beginnen konnte, während in Norddeutschland noch kein Flugwetter in Sicht war. Zunächst war allerdings dann doch noch Schneeräumen angesagt, und dazu mussste auch etwas grösseres Räumgerät bewegt werden. Zum Glück hat Notodden eine Flughafenfeuerwehr und die auch einen Bulldozer. Ohne deren Hilfe hätten wir wohl mehrere Wochen geschaufelt…

Die Schneebesen sind in Norwegen etwas größer.

Die Schneebesen sind in Norwegen etwas größer.

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